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Orden, Logen, Coven, Zirkel und Geodreiecke

Immer wieder ein interessanter Faktor ist, wie oft bei metaphysischen Themen das Mitdenken zuhause gelassen wird. Wenn ich jemandem diese drei Sätze sage:

1. Niemand ist so wichtig wie er tut.
2. Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird.
3. Alle kochen sie nur mit Wasser.

Dann ist im Alltag jedem die Weisheit dieser Worte offensichtlich, mal wird sie mehr mal weniger beherzigt, aber selbst in großen Corporations oder in einfachen sozialen Gruppengefügen wird man immer wieder auf einen oder mehrere Punkte zurückgreifen können, im Supermarkt, bei der Parkplatzsuche und in der Warteschlange aufm Amt.

In dem Moment aber, wo jemand seine (am besten langjährige) Mitgliedschaft in einer mystischen Vereinigung wie dem Fraternitas Ordo Occulto Oxidationi al Forno e.V. (Bruderschaft vom Orden der verborgenerweise ohne Konservierungsmittel gebackenen, e.V.) kundtut oder über jemanden schreibt, der in einer solchen Loge, Organisation oder Vereinigung irgend einen Posten, Rang, Grad oder eine Funktion bekleidet, schaltet das Hirn des bis eben noch grenzweise philosophisch veranlagten Gesprächspartners in den Verehrungs- und Sabbermodus. Dann braucht man nur noch die Freimaurer, Rosenkreuzer und diverse Three-Letter-Abbreviations mit möglichst hohem Gehalt von O und T aneinanderzureihen und schon fällt er in orgiastischen Zuckungen nach hinten mit dem Stuhl über und stöhnt unverständlich vor sich hin für die nächste Dreiviertelstunde.

Im Laufe der Zeit trifft man auf so manchen Autor, VIP der okkulten Szene und auch so manches (Ex-)Mitglied von einem dieser Mitgliedskärtchenvereine läuft einem über den Weg. Und wenn ein Eindruck sich über die Jahre gefestigt hat, dann der, daß es in diesen Strukturen eigentlich um nur drei Dinge geht: Hemmungslose Selbstbeweihräucherung, völlig überflüssige Selbstmystifizierung und Intrigen bzw. Schlammschlachten. Wer sich nicht für Zeitverschwendung, gegenseitige Eierschaukelei und Pseudo-Top-Secret-Gehabe hergeben will, lässt von sowas am besten die Finger. Sicher sind die historischen Zusammenhänge, sofern existent ein nettes Nice-to-know um auf Parties mit irgendwelchem nicht jedem zugänglichen (weil nicht für jeden interessanten) Wissen zu glänzen, aber letztlich kommt nicht viel dabei rum.

Mein ganz persönliches Fazit ist: Je mehr Geheimniskrämerei, Hierarchie und Verschlossenheit ein Verein betreibt, bevor er sein angebliches Wissen zu teilen bereit ist, desto weniger steckt im allgemeinen dahinter. Die meisten dieser Grad- und Rangträger leben davon, daß niemand weiß wie wenig sie wirklich können, egal wie viel sie wissen oder zu wissen vorgeben. Also quasi ein Machtfaktor in einem künstlichen sozialen Gefüge, welcher durch Unwissenheit der anderen gestützt wird. Das ist übrigens in der Kirche und im oberen Management ähnlich, und wer denen sein Heil anvertraut, wird sich schneller in einer Misere wiederfinden als er gucken kann.

Abgesehen davon natürlich, daß mehr Leute da draußen rumlaufen und behaupten sonstwie unterwiesen zu sein als jemals tatsächlich Leute unterwiesen wurden und selbst bei denen die es wurden merkt man allenfalls indoktriniertes Nachlabern – einen fruchtbaren Gedanken der Weiterentwicklung oder eigenes Können in solchen Köpfen zu suchen ist schon eine sehr aufwendige Aufgabe.

Ausnahmen gibt es immer. Woran ihr sie erkennt? Lasst Euch von einem Menschen inspirieren, dann wisst ihr wie viel ihr davon halten solltet, was er Euch vorsetzt.

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight