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Invocation of the Walking Ghost
Nun gut, es ist nicht wirklich eine Invo. Oder doch? Vielleicht Erkenntnismedi? Oder nichts von alledem! Aber fangen wir mal von vorn an – es geht in dieser Arbeit um die sog. Walking Ghost Phase – der letzten Etappe der Strahlenkrankheit, kurz vor dem Sterben, in der sich der Körper scheinbar für einen letzten Moment nochmal erholt, die Schmerzen verglichen mit der vorherigen Phase fort sind und er sich wieder aufrappelt, bevor er endgültig in sich zusammenbricht. Der kommende Artikel befasst sich mit dem eigenen Tod, der Entfremdung von allem was uns umgibt und der Magie des Verfalls, theoretisch können bei viel zu gelungenen oder seltsam durchgeführten Varianten Schäden an Leib, Seele oder Geistesverfassung entstehen (für die der Autor natürlich keine Haftung übernimmt).
Eines sollte klar sein: Wer mit dieser Art von Zuständen arbeitet, sollte wissen was er tut und warum.
Als vorbereitende Lektüre hilft es, sich in die Stimmung des Niedergangs zu begeben. Bilder von zerstörten und/oder verlassenen Gebäuden und Siedlungen, im Idealfall Schwarz/Weiß sind sehr hilfreich, die passende Musik dazu sollte nicht zu bedrohlich gewählt werden, aber auch nicht zu harmlos – mir hilft für die Stimmung von Radium 226 – Nuclear Violation und das Lesen verschiedener Artikel über den Karatschai-See, den verstrahltesten Ort der Welt.
Kurz zu den Eck- und Schlüsselpunkten dieser Zustandsherbeirufung, um sich besser einzustimmen:
- Der Tod steht unmittelbar bevor, droht aber nicht
- Die Schmerzen die man hinter sich gebracht hat sind größer als die jetzigen
- Das paradoxe Gefühl zwischen dem Wissen um das Ende und dem besser fühlen ist spürbar
- Eine leichte Taubheit der Finger und der Hautsensorik lässt sich leicht und fremd fühlen
- Der Körper hat im Kampf ums Überleben bereits Federn lassen müssen, oberflächliche Ästhetik wurde irrelevant
Zur Atmosphäre sollte man sich Neon-/Kaltbeleuchtung beschaffen, LEDs und schwaches, zT flackerndes elektrisches Licht sind aber auch völlig in Ordnung. Die Sitzhaltung, die sich für diese Herbeirufung am Effektivsten herausgestellt hat war in meinen Experimenten der Schneidersitz. Man sitzt weit nach vorne gelehnt, am besten mit dem Rücken zu den Lichtquellen, so daß man seinen eigenen Schatten vor sich an der Wand hat. Idealerweise hat man dort vor sich auch ein Möbelstück oder Griffe oder eine Stange an der man sich drübergebeugt festhalten kann. Vor einem steht eine kleine Schüssel mit Wasser oder noch besser eine Schnabeltasse und vorn neben sich ein Eimer. Während der Einstimmung und Vertiefung der Todestrance und der Visualisierung der Symptome und/oder Schlüsselpunkte (je nach dem wie vertraut man mit der Thematik ist, kann man erstere weglassen) sollte man sich in unregelmäßigen Abständen etwas Wasser aus der Schüssel oder der Schnabeltasse reichen. Man spült sich den Mund aus und spuckt es sobald es körperwarm ist in den Eimer. Der Geruch von Desinfektionsmittel, das Gefühl von Verbandszeug auf der Haut und ähnliches, können das Eintauchen in den Walking Ghost erleichtern.
Ist der Zustand erst einmal in sich hinein beschworen, lässt er sich nicht ohne weiteres abschütteln, da er sensorisch umfassender ist. Ich empfehle ausdrücklich an dieser Stelle das Bauen eines Lösungstriggers, Staubsaugers, whatever – daß ihr nicht mit dem Setting länger rumlaufen müsst als ihr es wünscht (verursacht starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Halluzinationen, Krampfanfälle, Appetitmangel, Schlafprobleme und mehr). Durch seine Intensität baut dieser jedoch eine sehr eigentümliche Brücke zum Avatar des eigenen Todes auf, lässt die eigene Perspektive sehr einfach entrücken und lässt durch gewissermaßen “Gleichgültigkeit” (oder Schicksalsergebenheit) eine völlig andere Ebene der Anerkennung seiner eigenen Existenz zu.
Wer diesen Zustand hin und wieder in sich geladen hat, wird feststellen, daß die meisten Antworten auf die Fragen die man hat einem hier sehr schnell zu Teil werden. Um genau zu sein findet eigentlich eine ziemliche Überflutung statt, wenn man sich darauf ein Stückweit einlässt. Man sollte nur nicht vergessen diesen Zustand wieder loszuwerden, sonst schlummert er nur und kommt wieder. Sehr effizient ist die Vorstellung des eigenen Todes mit anschließendem Moment der Ruhe, nach einer Walking Ghost Meditation oder Invo. Nach dem Moment der Ruhe kann man dann wieder leichter ins Hier & Jetzt zurückkehren als durch die Bannung wieder raus. Böse Zungen behaupten, es wäre einfacher zu sterben und es zu beenden als gesund zu werden bei diesem Leiden – und vermutlich stimmt das, warum diese Tatsache also nicht nutzen?
Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight