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Kurzüberblick Runen

Runen sind mittlerweile eines der verbreitetesten magischen Werkzeuge. Das Wort selbst bedeutet so viel wie “Geheimnis”. Grafisch gesprochen handelt es sich um einfache Zeichen ohne Krümmung, die um die vorletzte Jahrtausendwende in Nordeuropa zu finden waren. Zu diesem Thema ist Wissen, Halbwissen, Scheinwissen und Falschwissen sehr verbreitet, insofern lohnt es sich hier ganz besonders die Quellen zu prüfen, vor allem im Kontext auf den Autor. Die Runen sind aber leider auch oft Vorurteilsbelastet, dank ihres Missbrauchs in der NS-Zeit und der rechten Szene, gewissermaßen der Vergewaltigung des gesamten nordischen Paradigmas die bis heute andauert. Trotz all dessen sind sie aufgrund ihrer Vielseitigkeit und Einfachheit ein populäres Orakel und ein beliebter Grundstein für viele arkane Verzierungen und Techniken. Was vielleicht am wichtigsten sein dürfte – DIE Runen gibt es nicht. Es gibt Runen. Es gibt so viele verschiedene Schreibweisen und Zeichen, daß man ganze Bücher allein mit an historischen Stätten gefundenen Symbolen dieser Art füllen könnte, sie datieren unterschiedlich und sind regional mehr als abweichend.

Die populärsten zwei Systeme die Runen in der Gegenwart zu verwenden sind das “ältere Futhark” und das “jüngere Futhark”. Futhark bezeichnet dabei die Abfolge des “Runenalphabetes” am Anfang (Fehu, Uruz, Thurisaz, Ansuz, Raidho, Kenaz), sprich – diese Bezeichnung wäre das übersetzte Äquivalent des ABCs bzw Alphabets, was ja auch mit dem Anfang betitelt wird. Die Runen im Futhark selbst sind in mehrere Aettir unterteilt, Themengruppen wenn man so will, die einen Aspekt gemeinsam haben, im alten Futhark sind es jeweils 8 Runen pro Aett.

Schön und gut – aber was kann man damit Anfangen? Genaugenommen: Alles. Man kann Runen singen (oft der Runenhauptklang oder -name plus die Futhark-typische jeweilige Anreihung der Vokale u-a-i-e-o), man kann sie tanzen/stehen (dazu gibt es sog. Stadhas, Positionen wo man mit seinem ganzen Körper die Form der Rune einnimmt und ihr Prinzip in sich als Energie kanalisiert) oder sie werfen und – je nach Art des Orakelns – interpretieren. Man kann einzelne Runen aus der Menge picken, sie sich um den Hals hängen, sie in Sigillen einbetten oder gar ganze Texte damit verfremden, den Einsatzmöglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt.

Wo sollte man beginnen, wie nähert man sich der Thematik und welches Futhark ist das richtige für einen selbst? Fragen über Fragen. Es gibt kein “richtigeres” und “ursprünglicheres” Futhark im Sinne von “besser”. Man sollte sich über beide informieren und beide probiert haben und sich dann für jenes entscheiden, daß einem innerlich am ehesten zusagt. Was mich persönlich betrifft, ich bin kein Freund des neuen Futhark, das alte ist mir wesentlich näher. Diejenigen, welche mir die Runen näher gebracht haben, arbeiteten mit dem alten – ich hab das neue mal nach der Methode “give it a try” auch durchaus solide getestet, aber letztlich war das nichts für mich.

Quellentechnisch empfehle ich an dieser Stelle Edred Thorsson (aka Dr. Stephen Flowers) immer ganz gerne, weil er mit seinem Handbuch (ISBN 978-3908644637) eine solide Zusammenfassung zu diesem Thema geschaffen hat.

Wichtig ist, daß man sich im Kopf behält, daß Runen oft für bestimmte Prinzipien stehen, die erst im Kontext sichtbar werden. Wer sich übrigens über dies hinaus mit dem alten nordischen Pantheon befassen möchte, findet eine Reihe von Anwendungshinweisen der Runen in der Edda, zugegeben, man muss an einigen Stellen ein wenig seinen Grips anstrengen um aus der Formulierung einen entsprechenden Einsatz der Runen deuten zu können und was da wohl gelaufen sein muss, aber alles in allem ist es nicht übertrieben kryptisch und vor allem sehr unterhaltsam. Das sind Geschichten, die sich alleine zwecks Allgemeinbildung schon zu lesen lohnt. Je näher man sich mit Runen beschäftigen will, desto dringender wird die Auseinandersetzung mit den Gottheiten des Nordens, sie stehen in direkter Verbindung mit den von den Runen vertretenen Prinzipien (mal mehr mal weniger stark) und bieten außer dem noch eine interessante Vielfalt an Eigenheiten.

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight

Orden, Logen, Coven, Zirkel und Geodreiecke

Immer wieder ein interessanter Faktor ist, wie oft bei metaphysischen Themen das Mitdenken zuhause gelassen wird. Wenn ich jemandem diese drei Sätze sage:

1. Niemand ist so wichtig wie er tut.
2. Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird.
3. Alle kochen sie nur mit Wasser.

Dann ist im Alltag jedem die Weisheit dieser Worte offensichtlich, mal wird sie mehr mal weniger beherzigt, aber selbst in großen Corporations oder in einfachen sozialen Gruppengefügen wird man immer wieder auf einen oder mehrere Punkte zurückgreifen können, im Supermarkt, bei der Parkplatzsuche und in der Warteschlange aufm Amt.

In dem Moment aber, wo jemand seine (am besten langjährige) Mitgliedschaft in einer mystischen Vereinigung wie dem Fraternitas Ordo Occulto Oxidationi al Forno e.V. (Bruderschaft vom Orden der verborgenerweise ohne Konservierungsmittel gebackenen, e.V.) kundtut oder über jemanden schreibt, der in einer solchen Loge, Organisation oder Vereinigung irgend einen Posten, Rang, Grad oder eine Funktion bekleidet, schaltet das Hirn des bis eben noch grenzweise philosophisch veranlagten Gesprächspartners in den Verehrungs- und Sabbermodus. Dann braucht man nur noch die Freimaurer, Rosenkreuzer und diverse Three-Letter-Abbreviations mit möglichst hohem Gehalt von O und T aneinanderzureihen und schon fällt er in orgiastischen Zuckungen nach hinten mit dem Stuhl über und stöhnt unverständlich vor sich hin für die nächste Dreiviertelstunde.

Im Laufe der Zeit trifft man auf so manchen Autor, VIP der okkulten Szene und auch so manches (Ex-)Mitglied von einem dieser Mitgliedskärtchenvereine läuft einem über den Weg. Und wenn ein Eindruck sich über die Jahre gefestigt hat, dann der, daß es in diesen Strukturen eigentlich um nur drei Dinge geht: Hemmungslose Selbstbeweihräucherung, völlig überflüssige Selbstmystifizierung und Intrigen bzw. Schlammschlachten. Wer sich nicht für Zeitverschwendung, gegenseitige Eierschaukelei und Pseudo-Top-Secret-Gehabe hergeben will, lässt von sowas am besten die Finger. Sicher sind die historischen Zusammenhänge, sofern existent ein nettes Nice-to-know um auf Parties mit irgendwelchem nicht jedem zugänglichen (weil nicht für jeden interessanten) Wissen zu glänzen, aber letztlich kommt nicht viel dabei rum.

Mein ganz persönliches Fazit ist: Je mehr Geheimniskrämerei, Hierarchie und Verschlossenheit ein Verein betreibt, bevor er sein angebliches Wissen zu teilen bereit ist, desto weniger steckt im allgemeinen dahinter. Die meisten dieser Grad- und Rangträger leben davon, daß niemand weiß wie wenig sie wirklich können, egal wie viel sie wissen oder zu wissen vorgeben. Also quasi ein Machtfaktor in einem künstlichen sozialen Gefüge, welcher durch Unwissenheit der anderen gestützt wird. Das ist übrigens in der Kirche und im oberen Management ähnlich, und wer denen sein Heil anvertraut, wird sich schneller in einer Misere wiederfinden als er gucken kann.

Abgesehen davon natürlich, daß mehr Leute da draußen rumlaufen und behaupten sonstwie unterwiesen zu sein als jemals tatsächlich Leute unterwiesen wurden und selbst bei denen die es wurden merkt man allenfalls indoktriniertes Nachlabern – einen fruchtbaren Gedanken der Weiterentwicklung oder eigenes Können in solchen Köpfen zu suchen ist schon eine sehr aufwendige Aufgabe.

Ausnahmen gibt es immer. Woran ihr sie erkennt? Lasst Euch von einem Menschen inspirieren, dann wisst ihr wie viel ihr davon halten solltet, was er Euch vorsetzt.

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight