Archive for the ‘Paradigmen’ Category

Who do the hoo doo

Was Hoodoo genau ist und wie es funktioniert ist den meisten nicht geläufig, viele sehen darin eine vereinfachte Variante des Voodoo, was aber so nicht ganz richtig ist. Voodoo ist wesentlich näher an der Religionsschiene dran, weist ein Pantheon auf und bedient sich einer Mischung aus afrikanischen und indianischen schamanistischen Praktiken, Hoodoo hingegen ist wesentlich näher an dem was man Volkszauberei oder Hedge Magic nennen könnte. Die Werkzeuge und Prinzipien können sich ähneln, da sich beide Paradigmen an der natürlichen und unmittelbaren Umgebung des Praktizierenden orientieren, aber was das angeht ist Hoodoo wesentlich breiter in der Auswahl der Paraphernalia aufgestellt, so kann man ohne größere Hemmungen Streichhölzer, Paketschnur, zerriebene Kerzenstummel oder Schalen von Früchten verwenden – es geht mehr um das Tun als um die genauen Werkstoffe, im Voodoo ist es ritueller und spezifischer. So viel zur Abgrenzung.

Was an Hoodoo so faszinierend ist, ist die verblüffend einfache (mich fast schon an Kaoik erinnernde) Anwendungsart – die Sprüche sind normalerweise weder komplex, noch ritualisiert, gearbeitet wird meist mit kurzen Wiederholungen (oft wird frei formuliert) und in aller Regel mit nur wenig Vorbereitung (außer bei Herstellung von Mojos oder dergleichen). Das ganze hat vielleicht gerade wegen dieser einfachen Konzentration auf die Symbolik so einen heftigen Effekt und eine gewisse schlichte Theatralik, die das magische Arbeiten einem so einfach von der Hand gehen lässt in diesem Sektor.

Da ich sehr gerne mit praktischer Magie arbeite und mich mittlerweile nur schwer für das große und pompöse Tamtam eines hochkomplexen und etliche Ressourcen verbrauchenden Rituales begeistern kann wie es bei den Ägyptern zu mehreren und mit viel Kleidung, Maske und Gestik gehalten wurde, kommt mir das natürlich sehr recht. Zu meinen Lieblingszaubern gehören aus dem Bereich der Stickman und die Kreisschnur.

Für den Stickman braucht man eigentlich nur 3 längere Hölzer (zw 10 und 15 cm tuns für gewöhnlich) und einen Bindfaden. Der Stickman ist quasi eine Art Universalwerkzeug, man kann ihn abstellen eine Tür zu bewachen, auf jemanden aufzupassen, Orten und Personen Geheimnisse zu entlocken, Verwirrung zu stiften usw. Alles was man de facto tut ist, zwei der Hölzer oben nebeneinanderzubinden, daß sie einem leicht gespreizten Winkel aufweisen, das heißt eine Art Lambda. Dann nimmt man den dritten und legt ihn mittig drüber und bindet ihn auch fest, so daß ein kleines Männchen entsteht, wenn mans abstrakt sieht. Währenddessen wiederholt man seinen Namen und seine Aufgabe immer und immer wieder. Später kann man ihn noch etwas dekorieren wenn man möchte (Lederschnüre, kleine Zierperlen und Federn sind der Klassiker) und ihm was anziehen, etwas aus einfachem Stoff, vielleicht mit einem Gürtel, die Farbwahl bei der Garderobe sollte zum Zweck passen. Alles was man dann tun muss ist, ihn in die Nähe seines Einsatzpunktes zu bringen und dort aufzustellen, daß er alles im Überblick hat, schon kann er loslegen. Manche sammeln ihren Stickman später wieder ein, andere setzen ihn frei indem sie ihn verbrennen, wieder andere benutzen ihre öfter. Das ist wohl eine Frage des Geschmacks und der Erfahrungen damit.

Die Kreisschnur wird gern benutzt um einen Raum oder einen Gegenstand oder eine Person zu schützen (im letzteren Falle trägt die Person für das schwierige Ereignis jene um den Hals oder um die Hüfte, selter auch ums Handgelenk der linken Seite (für mich erschließt sich an dieser Stelle die Logik des Schildarmes vgl mit dem Schwert-/Wurfarm). In die Schnur sind besprochene Knoten geknüpft und sie ist an ihren Enden zusammengebunden, der Sinn ist, daß das Übel was auf einen einprasselt oder in einen eindringen will verpflichtet wird von Knoten zu Knoten zu wandern, und nicht an der Schnur vorbeikommt – eine analoge magische Endlosschleife quasi. Dieser Schutz kann eigentlich nur durch die physische Durchtrennung der Schnur aufgelöst werden, Zugriffe und Bypässe auf das Verteidigte haben sich bisher als schwierig erwiesen, ich denke das liegt daran, daß die Deklaration bei der Schaffung so allgemein ist. Nach dem Ablegen/Gebrauchen der Kreisschnur wird diese – egal ob Übel kam oder nicht – entsorgt. In aller Regel wird sie so wie sie ist dem Feuer überantwortet oder aber man vergräbt sie in der Nähe des Hauseingangs eines Widersachers, Neiders oder einer anderen Person der man Pech wünscht.

Aber ein Faktor kann gar nicht oft genug erwähnt werden, was die Arbeit mit Hoodoo angeht: Es macht irre Spaß, weil es so einfach und effektiv ist. Beizeiten kommen noch ein paar Techniken hier in die Auflistung.

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight

Die Kommandozeile

Eines der wichtigsten Instrumente in der Kybermagie ist für jeden einigermaßen technisch orientierten Magier die sogenannte Konsole/Kommandozeile, z.Engl. Command Line. Es handelt sich dabei eigentlich um ein sog. CLI, ein Command Line Interface, in dem man Kommandozeilen – also Befehle – eingibt, die vom Computer verarbeitet werden. In unserem Fall ist der Computer kein Computer im Sinne einer großen Rechnermaschine, sondern nichts geringeres als die gesamte Schöpfung selbst. Den einen oder anderen mag es belustigt haben, daß Douglas Adams in Per Anhalter durch die Galaxis die Erde als einen bio- und kosmologischen Großrechner dargestellt hat, der die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, des Universums und dem ganzen Rest™ errechnen sollte. Für jeden, der sich mit Kybermagie befasst ist das über kurz oder lang gar nicht mal so weit von der Wahrheit entfernt, um nicht zu sagen nahezu offensichtlich. Prozesse laufen unter bestimmten Gesetzmäßigkeiten ab, es finden kontinuierlich auf einander aufbauende Veränderungen statt und letzten Endes ist alles bis zu einem gewissen Grad quantifizier- und berechenbar in diesem Paradigma. Bis zu dem Grad wie wir es in der Kybermagie einsetzen können.

Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich selbige auch “kalte Magie” nenne, das hat nichts mit dem Element Eis oder den Temperaturen von Supraleitern zu tun, sondern mit der Abwesenheit von Gefühl. Diese Art von Magie ist völlig neutral, objektiv und unwertend, sie verändert Parameter, tauscht Variablen und ihre Inhalte aus, führt eingegebene Befehle und/oder Code aus ohne moralisch, menschlich, emotional oder sonstig eingefärbt zu sein. Das klingt zwar für jeden ansatzweise schamanisch arbeitenden oder in anderen stark emotional behafteten Paradigmen Ansässigen vermutlich abstoßend bis befremdlich, ist jedoch aufgrund seiner überragenden Geschwindigkeit, Effizienz und mangelnder Komplexität aus meinem Werkzeugkasten nicht mehr wegzudenken. Es ist nicht so, daß es besonders viel Spaß macht diese Art von Magie zu wirken, aber darum geht es an dieser Stelle nicht – abgesehen davon, daß alleine aufgrund des Tempos nicht davon gesprochen werden sollte, sich lange damit zu “befassen”. Man formuliert einen Befehl, eine Serie von Parametern oder ein Quasiprogramm, ab damit in die CLI und fertig. In dem Moment wo man gefühlt “Enter drückt” und das Eingegebene in die Verarbeitung genommen wird, ist die – um jetzt mal sigillenmagische Begriffe zu benutzen – Ladung vollzogen und die Bannung (das Zuklappen der CLI) kann beginnen. Alles, wenn man sichs angewöhnt hat, eine Frage von wenigen Augenblicken, beliebig oft wiederholbar, nahezu unsichtbar und energetisch nicht zu merken, da keine Energie für den Informationstransfer aufgewendet wird (Informationen haben keine Trägermasse, die zu bewegen Energie kosten würde, sie sind einfach).

Aber zurück zur Command Line. Ich stelle sie mir bildhaft folgendermaßen vor: Beim Aufruf fährt in meinem Sichtfeld ein schwarzer Kasten runter mit einem blinkenden weißen Balken (sehr retro, ich weiß). Dort kann ich dann einen Befehl eintippen oder ein bereits zuvor nach meinen eigenen Prinzipien programmiertes Script laden (es lohnt sich, die Befehlsketten oder -Komplexe, die man öfter nutzt in eigenen “Scripten” abzulegen, so hat man sie immer gebrauchsfertig parat, mein Favorit den ich schon seit längerem am Weiterentwickeln bin ist zB. bodyheal.sc – ein Script welches auf körperliche Heilung ausgelegt ist und die Selbstheilungskräfte des Organismus hochfährt, Sperren/Blockaden umgeht und kaputte Leitungen repariert). In der Kommandozeile steht dann einfach:

load bodyheal.sc -t[self]

Der Parameter -t steht für “target” und deklariert in unserem Beispiel mich selbst als Ziel. Das Skript selbst enthält eine Reihe von Funktionen, selbige enthalten dann eine Batterie von Befehlen und das ganze wurde von mir auch am Rechner selbst geschrieben (das ist in Sigillenmagischer Sprache ausgedrückt das “Zeichnen” der Sigille oder das anfertigen des Mantras, die Prinzipien sind die selben, ich lasse die Herrschaften vom Fach sich aber gern die Köppe einschlagen was das “ursprünglichere” von beiden sein sollte – mir ists gleich, hauptsache es funktioniert). Eine Funktion eines solchen Scripts kann aussehen wie folgt:

function regeneration($locator) {
CellReconstruct.target = $locator;
CellReconstruct.ressources = $CURRENT;
Immunity.PowerUp($locator, 140%);
BloodControl.LimitToTransport = true;
}

Die Funktion wird dann einfach aufgerufen mit regeneration(left_lower_arm_outside); und dann gehts los, die Zellenheilung beginnt auf die gegenwärtig vorhandenen Ressourcen zuzugreifen und das Immunsystem wird hochgeschraubt (eine der körperlichen Angriffsmöglichkeiten auf jemanden wäre es, sich bei ihm einzuloggen und seine Immunity runterzubrechen auf irgendwas um die 35%, damit versaut man sobald es wirkt – zu den Einschränkungen sag ich noch wann anders was zu – einem echt den Tag. Oder mehrere.) und zu Guterletzt wird der Blutfluss auf Sauerstoff- und Ressourcentransport beschränkt, so verhindert man zB ablagerungen von Blut in dem beschädigten Gewebe (dunkle Flecken in Narben, etc). Ich habe speziell dieses Beispiel gewählt, weil es etwas dem Körper vom Prozess her ohnehin recht Nahes ist und dennoch simpel verdeutlicht wie die Befehle konzipiert sind die man lostritt. Mir ist an dieser Stelle voll und ganz bewusst, daß ich die Rolle der Enzyme, des Vitaminhaushalts und des Qi komplett außenvorlasse, aber ich denke das ist für das Beispiel selbst erstmal nicht so wichtig.

Wenn es einen Befehl oder eine Funktion nicht gibt (es gibt vermutlich eine uns namentlich nicht bekannte Ansammlung derer, in unbegrenzter Anzahl) kann man einfach selbst eine schreiben. Ein bißchen Phantasie, aber noch nicht mal wirklich Grundlagen im Programmieren vorausgesetzt, kann man sich ganze Skripte vorbasteln, die nur darauf warten eingesetzt zu werden. Es ist sehr einfach, wenn man mit einem technischen Paradigma keine Berührungs- bzw Zugangsprobleme hat.

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight

Immer einen Platz zum Parken

Ich habe eine richtig miese Parkplatzsituation an der Arbeit. Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist voll mit Anwohner-Plätzen, Buchten mit Parkomaten, Parkhäusern und Halteverboten. In aller Regel ist es egal um welche Zeit man angetuckert kommt, ob acht oder halb eins, man hat ohne Weiteres oft eine halbe bis dreiviertel Stunde bis man einen Parkplatz in einigermaßen brauchbarer Nähe gefunden hat für den man kein Knöllchen bekommt. Das führte in der Vergangenheit immer wieder dazu, daß sich über den Monat verteilt 10 bis 15 Strafzettel angesammelt haben, von 15 bis 25 € jeweils. Das überstieg in nullkommanix die monatlichen Kosten für einen Stellplatz im Parkhaus – also musste Abhilfe her: Bis auf weiteres sollte es genügen die Strafzettelanzahl zu reduzieren, später im Winter sollte besagter Platz in Beschlag genommen werden, aber das ist jetzt erstmal nicht so wichtig.

Was also war zu tun? Ich hatte mehrere Möglichkeiten:

Ich könnte einen Zauber in das Auto einflechten, der ab einer gewissen Entfernung (Trigger) zum Ziel dafür löst, daß ein /oder mehrere Parkplätze frei werden.

Ich könnte auf die Straßen durch das Abschreiten und Einarbeiten dafür sorgen, daß die Straße für mich einen immer sicheren Platz parat hat.

Oder wir nehmen die einfachste, wenn auch übers Jahr verteilt aufwendigste Lösung: Den Freiräumer

Der Freiräumer baut auf der Sigillenmagie auf und funktioniert nach dem Fire & Forget Prinzip. Anstelle der Sigille wird aber eine etwas abstrahierte Situation visualisiert, die das was wir erreichen wollen beinhaltet. Als erstes blendet man sich vor dem geistigen Auge eine abstrakte Karte der Straßen und der Umgebung um das Ziel ein, dabei sind die bevorzugten Abschnitte wo man gut parken kann mit Autos zu versehen (das würde zum Beispiel als direkte Sigille dazu führen, daß man keinen Parkplatz bekommt, da wir aber das Bild nicht laden, sondern als Ausgangslage nehmen, ist das egal). Als nächstes blendet man sich eine Zeitleiste ein und lässt einige dieser Autos (am besten zwischen 3 und 5) aus eben jenen Positionen wegfahren, während die Zeitleiste läuft (für Zeitleisten konsultiert Ihr am besten das Video-Wiedergabe-Programm Eurer Wahl).

Das ist, wenn man so will, bereits der Willenssatz und Schlüssel. Der eigentliche Ladeprozess geht hier los: Man erweitert die Map um sein eigenes Fahrzeug (man sollte das ganze generell nicht weit von seinem Ziel machen, da man ansonsten riskiert die Parkplätze für andere freizuräumen) und visualisiert seine Ankunft vor Ort mit den mehreren freien Parkplätzen in der Umgebung. Die Zeitleiste sollte hier enden und wir “spulen zurück” zu dem Moment wo die Fahrzeuge begonnen haben sich zu entfernen und lassen es dann nochmal durchlaufen. Das kann man bei Bedarf einige Male wiederholen (für Sig-Cracks: bis sich dieses spezielle Gefühl einstellt was man vom “Ankommen” des Befehls aus der klassischen Sigillenmagie vom Ende der Todeshaltung her kennt).

Die Bannung selbst ist der einfachste Teil – wenn man das Laden abgeschlossen hat (es gibt auch Leute die das mit dem klassischen Ladebalken vom PC visualisieren) – es gibt ein 5 sek Fadeout wie bei einer selbstausblendenden Applikation oder einem Programm, was in den Sleep/Standby/Hintergrund-Modus schaltet.

Diese kleine Technik in verschiedenen Variationen half mir in letzter Zeit mit einer Trefferquote von etwas über 70%. Der Monat ist fast rum und ich hab gerade mal 2 Knöllchen gekriegt.

Technisch gesehen hat dieser Effekt folgende Vorteile: Durch das großflächige Abdecken von potenziellen Parkplätzen und die Freiräumung mehrerer gleich auf einmal ist die Wahrscheinlichkeit von Anfang an recht hoch, daß die erwünschte Situation eintritt – verglichen mit einem ganz bestimmten Parkplatz, am besten noch wo man zusehen kann wie jemand ihn einem vor der Nase wegschnappt. Dadurch, daß es sich eigentlich um eine steuerungsmagische Parametermanipulation handelt, ist der Energieaufwand, den man für die Wirkung dieses Zaubers betreiben muss nahe Null.

Wenn ich es über meine heißgeliebte kybermagische Konsole jagen würde, würde der Magickode so aussehen:

MyCar.ArrivalTime(Area) = 00:05:01
Area.spaces(clear) = X ^ Time(00:00:00)
Area.spaces(occupied).cars.drive(away) = 5 ^ Time(00:03:00)
Area.spaces(clear).cars.drive(incoming) < 3 ^ Time(00:05:00)

Selbst wenn kein Platz ist (X == 0) sind am Ende (00:05:01) noch mindestens 2 Plätze frei. Ich arbeite hier aber lieber mit Visualisation der Karte, weil es sehr nah an der Verkehrsthematik ist (dank Navis und Google Maps und so). Viel Spaß beim rumprobieren und lasst Euch nicht abschleppen (immer schön 2,40m zur Seite Platz lassen hilft)!

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight

Kurzüberblick Sigillenmagie

Viele Bücher beinhalten mittlerweile die Techniken und Methoden von A. O. Spare und darauf aufbauenden Nachfolgern. Das zugrundeliegende Modell ist recht schnell erklärt: Der menschliche Geist besteht aus einem Bewussten Teil und einem Unbewussten, die durch den sog. Zensor voneinander getrennt sind. Eben jener sorgt dafür, daß das was in der Tiefsee schwimmt auch genau da bleibt, aber auch das bewusste nicht einfach so in die Tiefen sinkt.

Jetzt ist die Sigillenmagie aber genau so eine Methode, die einen bewussten Befehl in die unbewusste Wirkungsebene katapultiert, damit er von dort aus seine Wirkung entfalten kann. Die Techniken sind vielseitig, am verbreitetesten sind aber die Bildmethode (Formen der eigentlichen Ladetechnik variieren) und die Mantra-/Wortmethode, aber meine Bisherigen Experimente mit essbaren Sigillen, welchen auf Hölzern zum durchbrechen oder aber sogar in einem Zeichenprogramm fürs Smartphone haben erstaunliche Ergebnisse erzielt.

Das Funktionsprinzip ist einfach:

1. Man formuliere positiv ein Ziel
Positiv ist an dieser Stelle wichtig, weil das Unbewusste ein “nein” oder ein “nicht” oder ein “kein” nicht versteht und es weglässt. (Auf eine ähnliche Weise zieht man unbewusst genau das an was man ganz und garnicht und fast schon bewusst nicht will, das ist ein Kehreffekt, in Fachkreisen “Nein.. nein.. nein.. ach verdammt!” genannt) Der Satz sollte so kurz und prägnant sein wie es nur irgend geht. Einfache Hauptsätze, Dinge auf den Punkt bringen, ohne viel Traraaa.

2. Den Willenssatz kürzen
Man streicht die doppelt vorkommenden Buchstaben bzw macht aus einem Satz den man nur noch in Silbenform am Stück ausspricht etwas leichter verdaulicheres. Sprich man kürzt die Silben runter auf etwas, was sich einfach aussprechen und merken lässt. Bei den Buchstaben der Bildmethode, kommt der Schritt dazu, sie ineinander zu verflechten und die Formen zu verfremden bis vom Ursprünglichen kaum noch was zu finden ist.

3. Die Sigille “laden”
Was manche dazu bewegt, sich in die Todeshaltung I und II zu begeben und in einem beinahe Totalstillstand der Sinne bis zur Unaushaltbarkeit zu verharren oder aber sich davon freizuzittern, lässt andere wiederum die Sigille in Erregungstrance angaffen oder sie bis zur geistigen Desinsibilisierung und eigenen Unverständlichkeit zu wiederholen.

Ich persönlich bevorzuge an dieser Stelle das kybermagische Skript, welches ich dafür entwickelt hab, ich kann Wiederholungen nämlich nicht ausstehen und daher ist mir die Wortmethode auch ferner als die anderen. Gehen tut natürlich alles, man muss eine Methode finden die einem am meisten liegt.

Schrittabfolge ist simpel: Man leitet die Trance ein – speist die Sigille ein – bannt. Zum Bannen wird empfohlen laut aufzulachen oder sich von dem gerade getanen komplett abzulenken, im Idealfall zu vergessen, was der Willenssatz aus Punkt 1 überhaupt gewesen ist und Dingen ihren Lauf lassen.

Das wars schon, das ist das grobe Funktionsprinzip!

Klingt einfach – und das ist es auch. Eine der effizientesten Techniken in der gesamten magischen Werkzeugkiste. Zugegeben, für die meisten zeremoniell arbeitenden Magier ist es zu simpel, zu unmystisch und banal, für die meisten Chaoiker allerdings gefundenes Fressen, weil es den Prozess nicht unnötig aufbläst, das Bewusstsein nicht mit irgend einem pseudoesoterischen Scheiß zumüllt und schnell, einfach und überall verfügbar ist.

Die verschiedenen Techniken und Methoden, Verfeinerungen und Variationen, Abwandlungen und Kreuzungen werden wir später behandeln – die meisten sind sich in ihrem Grundprinzip sehr ähnlich, aber fühlt Euch ruhig bemüßigt selbst zu experimentieren, das macht nicht nur Spaß, sondern bringt Euch auch ein gutes Stück weiter.

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight

Kurzüberblick Runen

Runen sind mittlerweile eines der verbreitetesten magischen Werkzeuge. Das Wort selbst bedeutet so viel wie “Geheimnis”. Grafisch gesprochen handelt es sich um einfache Zeichen ohne Krümmung, die um die vorletzte Jahrtausendwende in Nordeuropa zu finden waren. Zu diesem Thema ist Wissen, Halbwissen, Scheinwissen und Falschwissen sehr verbreitet, insofern lohnt es sich hier ganz besonders die Quellen zu prüfen, vor allem im Kontext auf den Autor. Die Runen sind aber leider auch oft Vorurteilsbelastet, dank ihres Missbrauchs in der NS-Zeit und der rechten Szene, gewissermaßen der Vergewaltigung des gesamten nordischen Paradigmas die bis heute andauert. Trotz all dessen sind sie aufgrund ihrer Vielseitigkeit und Einfachheit ein populäres Orakel und ein beliebter Grundstein für viele arkane Verzierungen und Techniken. Was vielleicht am wichtigsten sein dürfte – DIE Runen gibt es nicht. Es gibt Runen. Es gibt so viele verschiedene Schreibweisen und Zeichen, daß man ganze Bücher allein mit an historischen Stätten gefundenen Symbolen dieser Art füllen könnte, sie datieren unterschiedlich und sind regional mehr als abweichend.

Die populärsten zwei Systeme die Runen in der Gegenwart zu verwenden sind das “ältere Futhark” und das “jüngere Futhark”. Futhark bezeichnet dabei die Abfolge des “Runenalphabetes” am Anfang (Fehu, Uruz, Thurisaz, Ansuz, Raidho, Kenaz), sprich – diese Bezeichnung wäre das übersetzte Äquivalent des ABCs bzw Alphabets, was ja auch mit dem Anfang betitelt wird. Die Runen im Futhark selbst sind in mehrere Aettir unterteilt, Themengruppen wenn man so will, die einen Aspekt gemeinsam haben, im alten Futhark sind es jeweils 8 Runen pro Aett.

Schön und gut – aber was kann man damit Anfangen? Genaugenommen: Alles. Man kann Runen singen (oft der Runenhauptklang oder -name plus die Futhark-typische jeweilige Anreihung der Vokale u-a-i-e-o), man kann sie tanzen/stehen (dazu gibt es sog. Stadhas, Positionen wo man mit seinem ganzen Körper die Form der Rune einnimmt und ihr Prinzip in sich als Energie kanalisiert) oder sie werfen und – je nach Art des Orakelns – interpretieren. Man kann einzelne Runen aus der Menge picken, sie sich um den Hals hängen, sie in Sigillen einbetten oder gar ganze Texte damit verfremden, den Einsatzmöglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt.

Wo sollte man beginnen, wie nähert man sich der Thematik und welches Futhark ist das richtige für einen selbst? Fragen über Fragen. Es gibt kein “richtigeres” und “ursprünglicheres” Futhark im Sinne von “besser”. Man sollte sich über beide informieren und beide probiert haben und sich dann für jenes entscheiden, daß einem innerlich am ehesten zusagt. Was mich persönlich betrifft, ich bin kein Freund des neuen Futhark, das alte ist mir wesentlich näher. Diejenigen, welche mir die Runen näher gebracht haben, arbeiteten mit dem alten – ich hab das neue mal nach der Methode “give it a try” auch durchaus solide getestet, aber letztlich war das nichts für mich.

Quellentechnisch empfehle ich an dieser Stelle Edred Thorsson (aka Dr. Stephen Flowers) immer ganz gerne, weil er mit seinem Handbuch (ISBN 978-3908644637) eine solide Zusammenfassung zu diesem Thema geschaffen hat.

Wichtig ist, daß man sich im Kopf behält, daß Runen oft für bestimmte Prinzipien stehen, die erst im Kontext sichtbar werden. Wer sich übrigens über dies hinaus mit dem alten nordischen Pantheon befassen möchte, findet eine Reihe von Anwendungshinweisen der Runen in der Edda, zugegeben, man muss an einigen Stellen ein wenig seinen Grips anstrengen um aus der Formulierung einen entsprechenden Einsatz der Runen deuten zu können und was da wohl gelaufen sein muss, aber alles in allem ist es nicht übertrieben kryptisch und vor allem sehr unterhaltsam. Das sind Geschichten, die sich alleine zwecks Allgemeinbildung schon zu lesen lohnt. Je näher man sich mit Runen beschäftigen will, desto dringender wird die Auseinandersetzung mit den Gottheiten des Nordens, sie stehen in direkter Verbindung mit den von den Runen vertretenen Prinzipien (mal mehr mal weniger stark) und bieten außer dem noch eine interessante Vielfalt an Eigenheiten.

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight