Archive for the ‘Magickode’ Category

Die Kommandozeile

Eines der wichtigsten Instrumente in der Kybermagie ist für jeden einigermaßen technisch orientierten Magier die sogenannte Konsole/Kommandozeile, z.Engl. Command Line. Es handelt sich dabei eigentlich um ein sog. CLI, ein Command Line Interface, in dem man Kommandozeilen – also Befehle – eingibt, die vom Computer verarbeitet werden. In unserem Fall ist der Computer kein Computer im Sinne einer großen Rechnermaschine, sondern nichts geringeres als die gesamte Schöpfung selbst. Den einen oder anderen mag es belustigt haben, daß Douglas Adams in Per Anhalter durch die Galaxis die Erde als einen bio- und kosmologischen Großrechner dargestellt hat, der die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, des Universums und dem ganzen Rest™ errechnen sollte. Für jeden, der sich mit Kybermagie befasst ist das über kurz oder lang gar nicht mal so weit von der Wahrheit entfernt, um nicht zu sagen nahezu offensichtlich. Prozesse laufen unter bestimmten Gesetzmäßigkeiten ab, es finden kontinuierlich auf einander aufbauende Veränderungen statt und letzten Endes ist alles bis zu einem gewissen Grad quantifizier- und berechenbar in diesem Paradigma. Bis zu dem Grad wie wir es in der Kybermagie einsetzen können.

Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich selbige auch “kalte Magie” nenne, das hat nichts mit dem Element Eis oder den Temperaturen von Supraleitern zu tun, sondern mit der Abwesenheit von Gefühl. Diese Art von Magie ist völlig neutral, objektiv und unwertend, sie verändert Parameter, tauscht Variablen und ihre Inhalte aus, führt eingegebene Befehle und/oder Code aus ohne moralisch, menschlich, emotional oder sonstig eingefärbt zu sein. Das klingt zwar für jeden ansatzweise schamanisch arbeitenden oder in anderen stark emotional behafteten Paradigmen Ansässigen vermutlich abstoßend bis befremdlich, ist jedoch aufgrund seiner überragenden Geschwindigkeit, Effizienz und mangelnder Komplexität aus meinem Werkzeugkasten nicht mehr wegzudenken. Es ist nicht so, daß es besonders viel Spaß macht diese Art von Magie zu wirken, aber darum geht es an dieser Stelle nicht – abgesehen davon, daß alleine aufgrund des Tempos nicht davon gesprochen werden sollte, sich lange damit zu “befassen”. Man formuliert einen Befehl, eine Serie von Parametern oder ein Quasiprogramm, ab damit in die CLI und fertig. In dem Moment wo man gefühlt “Enter drückt” und das Eingegebene in die Verarbeitung genommen wird, ist die – um jetzt mal sigillenmagische Begriffe zu benutzen – Ladung vollzogen und die Bannung (das Zuklappen der CLI) kann beginnen. Alles, wenn man sichs angewöhnt hat, eine Frage von wenigen Augenblicken, beliebig oft wiederholbar, nahezu unsichtbar und energetisch nicht zu merken, da keine Energie für den Informationstransfer aufgewendet wird (Informationen haben keine Trägermasse, die zu bewegen Energie kosten würde, sie sind einfach).

Aber zurück zur Command Line. Ich stelle sie mir bildhaft folgendermaßen vor: Beim Aufruf fährt in meinem Sichtfeld ein schwarzer Kasten runter mit einem blinkenden weißen Balken (sehr retro, ich weiß). Dort kann ich dann einen Befehl eintippen oder ein bereits zuvor nach meinen eigenen Prinzipien programmiertes Script laden (es lohnt sich, die Befehlsketten oder -Komplexe, die man öfter nutzt in eigenen “Scripten” abzulegen, so hat man sie immer gebrauchsfertig parat, mein Favorit den ich schon seit längerem am Weiterentwickeln bin ist zB. bodyheal.sc – ein Script welches auf körperliche Heilung ausgelegt ist und die Selbstheilungskräfte des Organismus hochfährt, Sperren/Blockaden umgeht und kaputte Leitungen repariert). In der Kommandozeile steht dann einfach:

load bodyheal.sc -t[self]

Der Parameter -t steht für “target” und deklariert in unserem Beispiel mich selbst als Ziel. Das Skript selbst enthält eine Reihe von Funktionen, selbige enthalten dann eine Batterie von Befehlen und das ganze wurde von mir auch am Rechner selbst geschrieben (das ist in Sigillenmagischer Sprache ausgedrückt das “Zeichnen” der Sigille oder das anfertigen des Mantras, die Prinzipien sind die selben, ich lasse die Herrschaften vom Fach sich aber gern die Köppe einschlagen was das “ursprünglichere” von beiden sein sollte – mir ists gleich, hauptsache es funktioniert). Eine Funktion eines solchen Scripts kann aussehen wie folgt:

function regeneration($locator) {
CellReconstruct.target = $locator;
CellReconstruct.ressources = $CURRENT;
Immunity.PowerUp($locator, 140%);
BloodControl.LimitToTransport = true;
}

Die Funktion wird dann einfach aufgerufen mit regeneration(left_lower_arm_outside); und dann gehts los, die Zellenheilung beginnt auf die gegenwärtig vorhandenen Ressourcen zuzugreifen und das Immunsystem wird hochgeschraubt (eine der körperlichen Angriffsmöglichkeiten auf jemanden wäre es, sich bei ihm einzuloggen und seine Immunity runterzubrechen auf irgendwas um die 35%, damit versaut man sobald es wirkt – zu den Einschränkungen sag ich noch wann anders was zu – einem echt den Tag. Oder mehrere.) und zu Guterletzt wird der Blutfluss auf Sauerstoff- und Ressourcentransport beschränkt, so verhindert man zB ablagerungen von Blut in dem beschädigten Gewebe (dunkle Flecken in Narben, etc). Ich habe speziell dieses Beispiel gewählt, weil es etwas dem Körper vom Prozess her ohnehin recht Nahes ist und dennoch simpel verdeutlicht wie die Befehle konzipiert sind die man lostritt. Mir ist an dieser Stelle voll und ganz bewusst, daß ich die Rolle der Enzyme, des Vitaminhaushalts und des Qi komplett außenvorlasse, aber ich denke das ist für das Beispiel selbst erstmal nicht so wichtig.

Wenn es einen Befehl oder eine Funktion nicht gibt (es gibt vermutlich eine uns namentlich nicht bekannte Ansammlung derer, in unbegrenzter Anzahl) kann man einfach selbst eine schreiben. Ein bißchen Phantasie, aber noch nicht mal wirklich Grundlagen im Programmieren vorausgesetzt, kann man sich ganze Skripte vorbasteln, die nur darauf warten eingesetzt zu werden. Es ist sehr einfach, wenn man mit einem technischen Paradigma keine Berührungs- bzw Zugangsprobleme hat.

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight

Immer einen Platz zum Parken

Ich habe eine richtig miese Parkplatzsituation an der Arbeit. Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist voll mit Anwohner-Plätzen, Buchten mit Parkomaten, Parkhäusern und Halteverboten. In aller Regel ist es egal um welche Zeit man angetuckert kommt, ob acht oder halb eins, man hat ohne Weiteres oft eine halbe bis dreiviertel Stunde bis man einen Parkplatz in einigermaßen brauchbarer Nähe gefunden hat für den man kein Knöllchen bekommt. Das führte in der Vergangenheit immer wieder dazu, daß sich über den Monat verteilt 10 bis 15 Strafzettel angesammelt haben, von 15 bis 25 € jeweils. Das überstieg in nullkommanix die monatlichen Kosten für einen Stellplatz im Parkhaus – also musste Abhilfe her: Bis auf weiteres sollte es genügen die Strafzettelanzahl zu reduzieren, später im Winter sollte besagter Platz in Beschlag genommen werden, aber das ist jetzt erstmal nicht so wichtig.

Was also war zu tun? Ich hatte mehrere Möglichkeiten:

Ich könnte einen Zauber in das Auto einflechten, der ab einer gewissen Entfernung (Trigger) zum Ziel dafür löst, daß ein /oder mehrere Parkplätze frei werden.

Ich könnte auf die Straßen durch das Abschreiten und Einarbeiten dafür sorgen, daß die Straße für mich einen immer sicheren Platz parat hat.

Oder wir nehmen die einfachste, wenn auch übers Jahr verteilt aufwendigste Lösung: Den Freiräumer

Der Freiräumer baut auf der Sigillenmagie auf und funktioniert nach dem Fire & Forget Prinzip. Anstelle der Sigille wird aber eine etwas abstrahierte Situation visualisiert, die das was wir erreichen wollen beinhaltet. Als erstes blendet man sich vor dem geistigen Auge eine abstrakte Karte der Straßen und der Umgebung um das Ziel ein, dabei sind die bevorzugten Abschnitte wo man gut parken kann mit Autos zu versehen (das würde zum Beispiel als direkte Sigille dazu führen, daß man keinen Parkplatz bekommt, da wir aber das Bild nicht laden, sondern als Ausgangslage nehmen, ist das egal). Als nächstes blendet man sich eine Zeitleiste ein und lässt einige dieser Autos (am besten zwischen 3 und 5) aus eben jenen Positionen wegfahren, während die Zeitleiste läuft (für Zeitleisten konsultiert Ihr am besten das Video-Wiedergabe-Programm Eurer Wahl).

Das ist, wenn man so will, bereits der Willenssatz und Schlüssel. Der eigentliche Ladeprozess geht hier los: Man erweitert die Map um sein eigenes Fahrzeug (man sollte das ganze generell nicht weit von seinem Ziel machen, da man ansonsten riskiert die Parkplätze für andere freizuräumen) und visualisiert seine Ankunft vor Ort mit den mehreren freien Parkplätzen in der Umgebung. Die Zeitleiste sollte hier enden und wir “spulen zurück” zu dem Moment wo die Fahrzeuge begonnen haben sich zu entfernen und lassen es dann nochmal durchlaufen. Das kann man bei Bedarf einige Male wiederholen (für Sig-Cracks: bis sich dieses spezielle Gefühl einstellt was man vom “Ankommen” des Befehls aus der klassischen Sigillenmagie vom Ende der Todeshaltung her kennt).

Die Bannung selbst ist der einfachste Teil – wenn man das Laden abgeschlossen hat (es gibt auch Leute die das mit dem klassischen Ladebalken vom PC visualisieren) – es gibt ein 5 sek Fadeout wie bei einer selbstausblendenden Applikation oder einem Programm, was in den Sleep/Standby/Hintergrund-Modus schaltet.

Diese kleine Technik in verschiedenen Variationen half mir in letzter Zeit mit einer Trefferquote von etwas über 70%. Der Monat ist fast rum und ich hab gerade mal 2 Knöllchen gekriegt.

Technisch gesehen hat dieser Effekt folgende Vorteile: Durch das großflächige Abdecken von potenziellen Parkplätzen und die Freiräumung mehrerer gleich auf einmal ist die Wahrscheinlichkeit von Anfang an recht hoch, daß die erwünschte Situation eintritt – verglichen mit einem ganz bestimmten Parkplatz, am besten noch wo man zusehen kann wie jemand ihn einem vor der Nase wegschnappt. Dadurch, daß es sich eigentlich um eine steuerungsmagische Parametermanipulation handelt, ist der Energieaufwand, den man für die Wirkung dieses Zaubers betreiben muss nahe Null.

Wenn ich es über meine heißgeliebte kybermagische Konsole jagen würde, würde der Magickode so aussehen:

MyCar.ArrivalTime(Area) = 00:05:01
Area.spaces(clear) = X ^ Time(00:00:00)
Area.spaces(occupied).cars.drive(away) = 5 ^ Time(00:03:00)
Area.spaces(clear).cars.drive(incoming) < 3 ^ Time(00:05:00)

Selbst wenn kein Platz ist (X == 0) sind am Ende (00:05:01) noch mindestens 2 Plätze frei. Ich arbeite hier aber lieber mit Visualisation der Karte, weil es sehr nah an der Verkehrsthematik ist (dank Navis und Google Maps und so). Viel Spaß beim rumprobieren und lasst Euch nicht abschleppen (immer schön 2,40m zur Seite Platz lassen hilft)!

Ich hoffe meine Ausführungen waren anregend zu lesen.
Line of Sight